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Die Hausgeburt – Monika Kubicek bringt Babys zu Hause auf die Welt

Es ist wichtig wie wir geboren werden. Dieser Satz steht in grosser gelber Schrift auf der Heckscheibe von Monika Kubiceks Auto. Er ist gleichzeitig ein Aufruf für die Hausgeburt.

 

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit am MAZ habe ich die selbstständige Hebamme Monika Kubicek aus Zäziwil in ihrem Alltag begleitet. Im Vorfeld der Arbeit, war mir bei der Suche nach einer Hebamme nicht bewusst, wie umstritten und selten Hausgeburten in der Schweiz sind. Immer mehr interessante Fakten und Aussagen haben mich schlussendlich dazu bewogen diesen Beitrag zur Hausgeburt zu erstellen.

 


 

Den Wunsch, ihr Kind in den eigenen vier Wänden auf die Welt zu bringen, haben in der Schweiz nur 1 Prozent der Frauen. Etwa 2 Prozent der Kinder kommen in einem Geburtshaus und der Rest im Spital zur Welt. Wieso das? 

 

Monika Kubicek betreut Frauen/Paare in der Region Emmental von Langnau über Konolfingen, Worb, bis Bern Ost, Kiesental und Thun. Es gibt verschiedene Gründe, wieso sich eine schwangere Frau für eine Hausgeburt entscheidet. Die werdenden Eltern oder die Frauen wünschen sich oft eine sichere, geborgene und vertraute Umgebung. 

 

Meine Philosophie ist es, möglichst wenig in das Geburtsgeschehen einzugreifen. Dies schon im Vorfeld, unter der Geburt, in der Nachgeburtsphase, aber auch in der sensiblen ersten Kennenlernphase, wenn Ihr Kind geboren ist.

 

 

Monika ist schon 30 Jahre lang Hebamme, es sei ihre Berufung. Seit über 10 Jahren begleitet sie nun Hausgeburten. Pro Jahr sind es 12 bis 14 Geburten oder Familien die sie begleitet und betreut.

 

Die Nachfrage in ihrem Betreuungsgebiet – Region Emmental – ist wahrscheinlich noch grösser, aber sie kann aus zeitlichen Gründen nicht mehr als 14 Geburten pro Jahr annehmen. 24 Stunden am Tag, das ganze Jahr ist Monika Kubicek abrufbar. Eine lange Velotour oder ein Tagesausflug nach Zürich liegt nicht drin, vor allem nicht in der Phase, wenn die Frauen ihren Geburtstermin haben. Im Sommer und im Herbst gönnt sich Monika jeweils eine längere Pause, in der sie dann gerne verreist. 

 


 

Familie Felder aus Langnau und Familie Joss aus Schwanden erzählen wieso sie sich für die Hausgeburt entschieden haben. Martina Felder hat ihr erstes Kind bekommen, Sybille Joss hat bereits ihr drittes Kind zu Hause geboren. 

 

 

Hausgeburten sind umstritten und werden von Ärzten und Gynäkologen kritisiert. Eine Geburt zu Hause sei nicht sicher, denn im Notfall könne man nicht schnell genug handeln. Monika Kubicek aber betont die 1-zu-1 Betreuung von Anfang an und lehnt auch jede Hausgeburt ab, wenn eine sogenannte Risikoschwangerschaft besteht.

 

Die Kritik an der Hausgeburt setzt Hausgeburtshebammen in der Schweiz unter Druck. Aber egal, ob eine Geburt zu Hause stattfindet oder im Spital, es kann immer etwas passieren. Monika Kubicek hat in ihrer Karriere auch schon tragische Momente erlebt und ist mit dem Tod von Babys konfrontiert worden. Diese Erlebnisse geschahen jedoch noch in der Zeit, als sie noch im Spital als Hebamme tätig war.

 


 

Der Schweizerische Hebammenverband begrüsst Hausgeburten und findet es gut, wenn Frauen in ihrer vertauten Umgebung gebären wollen. Besonders gefördert oder bekannt gemacht werde die Hausgeburt aber nicht. Für eine schwangere Frau sei es wichtig, zu wissen, welche Möglichkeiten sie als werdende Mutter hat. 

Barbara Stocker ist Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbands und legt Wert auf eine ganzheitliche Betreuung.

 

Was meint sie zur umstrittenen Sicherheit bei einer Hausgeburt? 

 

Frauen, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, wünschen sich also eine Geburt, die ganz natürlich verlaufen soll. Eine Geburt ohne voreilige Interventionen, die in einem Spital immer wieder gemacht werden. 

 

Studien zeigen: Hausgeburten sind genauso sicher wie Geburten im Spital

 


Wie steht eine Hebamme im Spital zu Hausgeburten? Eine Antwort auf diese Frage habe ich von Margreth von Ballmoos bekommen. Ich habe sie im Spital Emmental in Burgdorf getroffen. Frau von Ballmoos ist Abteilungsleiterin der Gynäkologie/Geburtshilfe im Spital Emmental. 

 

 

Margreth von Ballmoos, Spital Emmental

 

Im Spital Emmental bin ich auf keine kritischen Stimmen zur Hausgeburt gestossen. Sowieso kann ich aus meiner Recherche-Arbeit das Fazit ziehen, dass viele Ärzte/Ärztinnen und Gynäkologen/Gynäkologinnen in der Region Emmental sehr offen sind für Hausgeburten. 

Kritisch gegenüber Hausgeburten, aber trotzdem verständnisvoll ist Dr. Uwe Dietz. Er ist Gynäkologe in der Zentrumspraxis Schönbühl-Urtenen. 

 

Frauen haben Erwartungen, wie ein Gynäkologe sein sollte:
nicht zu grob, nicht zu weich, nicht zu nah, aber auch nicht fern, aufgeschlossen und doch distanziert. Er soll Vertrauter sein, aber nicht vertraulich. Er soll für Sexualprobleme aufgeschlossen sein, aber nicht anzüglich sein. Er soll Phantasien ahnen, aber nichts Phantastisches zulassen. (Gerhard Amendt)

 

Dr. Uwe Dietz, Zentrumspraxis Schönbühl

 

 

Mein Fazit: Hausgeburten sind genau so sicher wie Geburten im Spital. Deshalb sollten Frauen, die in der Schweiz ein Baby erwarten, von der Wahlfreiheit zwischen einer Geburt zu Hause, im Geburtshaus oder im Spital Gebrauch machen. Die 1-zu-1 Betreuung durch eine Hebamme ist bei allen drei Möglichkeiten eingeschlossen, vom Beginn der Schwangerschaft bis hin zur Geburt und der Nachbetreuung des Kindes. 

 

Eine Geburt ist wie eine Wanderung. Ich muss jeden Schritt selber gehen. Ich sage nicht, dass alle Frauen zu Hause gebären sollen. Aber ich möchte alle Frauen ermutigen, auf ihr Herz zu hören.

(Zitat einer Mutter, die Hausgeburt wählte)